Alles Ives, oder was? Der Q1-Musikkurs im Gespräch mit Thomas Hampson

Der US-amerikanische Bariton Thomas Hampson, einer der facettenreichsten und innovativsten Sänger unserer Zeit, stand im Mai 2022 auf der Bühne der Historischen Stadthalle in Wuppertal. Im 9. Sinfoniekonzert unter der Überschrift “All Ives“ präsentierte der Sänger ausgewählte Orchesterlieder des amerikanischen Komponisten Charles Ives, der zu Lebzeiten als Komponist kaum wahrgenommen, geschweige denn anerkannt wurde. Das Wuppertaler Sinfonieorchester unter der Leitung von Patrick Hahn brachte außerdem Ives’ 2. Sinfonie, die „Variation of America“ und „Three Places in New England“ zu Gehör.

Die Konzerte fanden am Sonntag, den 15. Mai. 2022 und am Montag, den 16. Mai. 2022 statt und der Musikkurs der Q1 von Frau Windhoff hatte vor den offiziellen Konzertterminen die Möglichkeit, in die einzige Hauptprobe (hier trafen alle MusikerInnen das erste Mal zusammen, um das erarbeitete Programm zu proben) hinein zu hören.

Als Vorbereitung auf einen Konzertbesuch stellt Nadja Wiesemann als Konzertpädagogin des Sinfonieorchesters Kontakt zu ausgewählten Solisten her, die das aktuelle Programm vorstellen und von ihrem Beruf erzählen. Somit erhielt unser Musikkurs die einzigartige Möglichkeit, mit Thomas Hampson im Anschluß an die Probe im Offenbachsaal der Stadthalle ein Interview zu führen, glücklicherweise auf deutsch.

Thomas Hampson ging auf die Fragen der SchülerInnen genau ein und beantwortete die Fragen sehr ausführlich, auch private Fragen. Dabei verging die zur Verfügung stehende Zeit von einer Stunde wie im Flug, denn das Gespräch war nicht nur informativ, sondern auch sehr unterhaltsam. Herr Hampson unterstrich mehrfach, wie wichtig es sei, die Musik für die Zuhörer „hörbar“ zu machen. Er sprach auch von Gefühlen, welche durch seine Stimme den Zuhörer erreichen sollen und dass Musik eine Sprache sei, die die Menschen unmittelbar ansprechen kann, auch ohne Worte. Eine Schülerin stellte Herr Hampson die Frage, wie er sich für seine Konzerte vorbereite. Er antworte, dass er viel Sport und jeden Morgen Yogaübungen mache. Und er sei immer noch nervös, bevor er eine Bühne beträte, denn ohne eine gewisse Grundanspannung, alles so gut wie möglich hinzubekommen, ginge es nicht. Dabei wäre es egal, ob er einen kammermusikalischen Liederabend oder in der Metropolitan Opera in New York vor 4500 Zuschauern singen würde oder gar in einer weltweiten Live-Übertragung vor mehreren Millionen Menschen. Des Weiteren erwähnte er während des Interviews viele weitere Opernsänger und andere bekannte Künstler, mit denen er zusammengearbeitet hat und die ihn sehr geprägt haben, wie z.B. Daniel Barenboim, Leonard Bernstein oder Nikolaus Harnoncourt. Letztere seien bereits leider verstoben, was ihn sehr traurig mache. Bernstein sei es überhaupt zu verdanken, dass Ives’ Werke in den 50er Jahren entdeckt und aufgeführt wurden. Die Frage, ob seine Kinder sich für Musik interessieren würden, freute Herr Hampson. Er erzählte uns, dass er seine Kindern nicht zwinge, einen Draht zur Musik zu finden. Seine Tochter sei aber sehr interessiert an Musik und beschäftige sich auch damit. Er selbst schätzt neben der klassischen Musik auch Jazz und sogar Rap, wegen der tollen Texte. Herr Hampson erzählte uns sehr viel aus seinem bewegten Leben und auch von seiner Familie. Seine Mutter war eine erfolgreiche Opernsängerin und seine Geschwister, vor allem seine Schwester, waren sehr musikbegeistert. Er selbst wollte eigentlich gar kein Musiker werden, aber durch die Einflüsse seiner Familie und einer der Familie bekannten Sängerin „hat mich meine Stimme entdeckt“. Als er 21 Jahre alt war, fing er an, sich professionell mit Musik zu beschäftigen.

Am Ende lobte er sehr das Wuppertaler Sinfonieorchester und ihren jungen Generalmusikdirektor Patrick Hahn, den er aus Österreich kennt, denn er wohnt selbst mit seiner Frau in Wien. Besonders gut gefiel Thomas Hampson auch die Akustik der Historische Stadthalle, die wirklich ein außergewöhnlicher Konzertort ist und gab uns mit auf den Weg, so oft zu kommen, wie es nur gehe.

Am 15.5.2022 besuchte der Kurs dann auch das Konzert, dieses Mal mit Blick von der Galerie aus auf die Musiker.

Theodoros Sidiropoulos, Q1