Opernbesuch in Gelsenkirchen - Kann man das Grauen von Auschwitz auf eine Opernbühne bringen?

Die Oper "Die Passagierin" von Mieczyslaw Weinberg nach dem gleichnamigen Roman der inzwischen 93-jährigen polischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Psmysz steht seit Januar auf dem Spielplan des Gelsenkirchener MiR (Musiktheater im Revier), welches damit auf eindrucksvolle Weise die Erinnerung an die Gräuel der Nazis und den millionenfachen Tod von Menschen wachhält.

Worum geht es? Der Diplomat Walter und seine Frau Lisa befinden sich im Jahre 1960 auf einem Luxus-Schiff. Lisa beobachtet eine mitreisende Passagierin, die sich ziemlich bald als Martha entpuppt, eine in Auschwitz Inhaftierte, die dem Tod entkam. Lisa war, was ihr auf eine gute Karriere im fernen Brasilien spekulierender Gatte bislang nicht wusste, damals Oberaufseherin im KZ, natürlich eine "ehrliche Deutsche", die "nur ihre Pflicht getan hat", wie Lisa beteuert. Ihr mörderisches Verhalten holt sie nun auf dieser Schiffsreise ein. In Rückblenden wird die grausame Lagerrealität abgebildet, Lisa wird sich ihrer Schuld mehr und mehr bewusst, die Erinnerung lässt sich nicht länger verdrängen.

Die Oberstufen-Musikkurse der EF, Q1 und Q2 von Frau Windhoff, Herrn Lahme und Frau Wissing besuchten gemeinsam mit Frau Schwarz und Frau Salzberg (Vorsitzende des Fördervereins der Schule) Anfang April an einem sonnigen Sonntagnachmittag eine Aufführung der "Passagierin", die bei vielen Schülerinnen und Schülern ein verstörendes, beklemmendes, aber auch z.T. berührendes Gefühl hinterließ. Die Musik Weinbergs - angelehnt an Kompositionen seines Mentors Schostakowitsch - ist wuchtig und streckenweise emotional erschütternd, sie wird von einem groß besetzten Orchester gespielt und ist alles andere als Wohlfühlmusik an einem Sonntagnachmittag. Die Klänge vermeiden alles Weiche, Melancholische, sie sind Bestandteil des furchtbaren Geschehens auf der Bühne. Man hört mal die stille Verzweiflung, mal die gellende Angst, dann wieder tiefe Gefasstheit der Protagonisten.
Nach Marthas Schlussmonolog ("Ich werde euch nie und nimmer vergessen" - gerichtet an die Freundinnen, die Auschwitz nicht überlebten), die in der moralischen Forderung an die Menschen von heute gipfelt "Keine Vergebung, niemals!", traten wir die Rückreise nach Wuppertal an. Nach dem Erleben dieser Oper geht man allerdings kaum gleich zur Tagesordnung über, im Bus und in den anschließenden Musikstunden wurde noch über das Erlebte diskutiert.

Wir danken dem Förderverein der Schule für die finanzielle Unterstützung dieses Studienganges.

 Corinna Windhoff