Es war nicht zu klären, welche Schreibweise des Vornamens denn nun die richtige ist. Bei seine vielen Veröffentlichungen und Büchern finden sich beide Schreibweisen. In den Dokumenten unserer Schule hat er stets nur mit „Dr. Lietzmann“ unterschrieben.
Unzweifelhaft ist aber, dass seine „Didaktik und Methodik des Mathematikunterrichts“ grundlegend für die Entwicklung des Mathematikunterrichts ist. Der Band 2 erschien im Jahr 1916, 1918 folgte der erste Band. Beide Teile erlebten viele Neuauflagen und galten bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts als Standardwerk. Einhundert Jahre nach der Erstveröffentlichung veranstaltete die Universität Wuppertal ein Symposium zum Leben und Werk des Mathematikers, der von 1906 bis 1914 an unserer Schule, damals hieß sie noch  „Oberrealschule Barmen“, Mathematik, Physik und Astronomie unterrichtete. Aus der Anfrage der Universität, ob nicht eine Veranstaltung im Rahmen dieses Symposiums an der Schule stattfinden könnte und ob wir nicht noch etwas von ihm in unserem Archiv haben, wurde dann das „Lietzmann-Projekt“.

Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 9f, aus den Oberstufenkursen von Frau Licht und Herrn Clotz fanden sich bereit, an diesem Thema zu arbeiten. Die Klasse 9 wollte sich mit dem Schulleben vor hundert Jahren beschäftigen, die Oberstufenkurse bearbeiteten Unterschiede des Abiturs 1914 und 2014. Eine kleine Gruppe bearbeitete Lietzmanns Auseinandersetzung zwischen der Mathematik und der bildenden Kunst.

Für die Schülerinnen und Schüler begannen die Projekttage schon am Mittwoch mit einem Besuch des Schulmuseums in Vohwinkel. Eindrucksvoll demonstrierte Herr Platte, nach welchen Regeln vor 100 Jahren unterrichtet wurde. Ziel der Erziehung war der preußische, kaisertreue Untertan, erreicht nicht zuletzt durch Bestrafung. Prügel und knien – auch auf einem Holzscheit – standen auf der Tagesordnung.
Fünf Schülerinnen verarbeiteten ihre Eindrücke zu einer szenischen Darstellung, was einem damals im Unterricht widerfahren konnte und führten diese mehrmals am Präsentationssamstag vor.
Zu sehen war aber auch ein Vergleich von Schulbüchern von vor hundert Jahren und heute.
Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufenkurse präsentierten ihre Ergebnisse auf großformatigen Plakaten.

Am 27. September besuchten dann Yanika, Adam und Simon mit ihren Plakaten zu den Unterschieden bei den schriftlichen Abiturprüfungen, Hannah und Razan mit ihren Ergebnissen zu Lietzmanns Proportionslehre in der bildenden Kunst das Symposium an der Bergischen Universität. Gekonnt erläuterten sie ihre Arbeitsergebnisse den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung und ernteten dafür gebührenden Applaus.

Für uns beendete der Festvortrag von Prof. Jahnke von der Universität Essen-Duisburg (ein ehemaliger Schüler des CDG) im PZ unserer Schule das „Lietzmann-Projekt“. In einem sehr interessanten und unterhaltsamen Vortrag berichtete er vom Leben und Werk von Dr. Walt(h)er Lietzmann. Seine vor 100 Jahren vorgelegten Ideen und Anregungen werden weiter Forschungsgebiet in der Geschichte der Mathematik und ihrer Didaktik sein.

Text und Fotos: K.-J. Freiwald